Entwicklung der P.149

 

 

 

 

 

Italienische Fluggeschichte

PIAGGIO P149

Artikel aus einer Fachzeitschrift Mitte der 70er Jahre, leider gibt es keinen Quellennachweis. Gefunden wurde dieser Artikel in den Unterlagen der D-ELEV // 91+22

1955 suchte die neue deutsche Luftwaffe nach einem Anfangstrainer für die Pilotenausbildung, und Piaggio trat beim Beschaffungswettbewerb gegen starke Konkurrenten an, gegen die Beech T-34 Mentor und die Saab 91 Safir. Die fliegerische Demonstration der P149 war denn auch fast ein voller Erfolg, aber - bei der Landung vergaß der Piaggio-Testpilot das Fahrwerk!

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Bild: Sportfluggruppe Oldenburg

Die Schadenfreude der Konkurrenten kam zu früh: Dass die P.149 bei ihrer Bauchlandung nur geringfügige Schäden davontrug und schon am nächsten Tag wieder flugklar bereitstand, beeindruckte die Experten der Luftwaffe sichtlich. Piaggio erhielt einen Auftrag über 75 Maschinen, weitere 190 wurden anschließend von Focke-Wulf in Lizenz produziert, die Lycoming-Motoren baute BMW. Die nach den deutschen Spezifikationen entwickelte Version P149D (D = Deutschland) unterschied sich vom Prototypen, der am 19. Juni 1953 zum Erstflug gestartet war, vor allem durch den 274 PS starken Lycoming GO-480 (anstelle des 260 PS GO-435), durch die Knüppelsteuerung und die Instrumentierung. Die deutsche Luftwaffe war nicht nur der erste, sondern auch der wichtigste Kunde für Piaggio, die P149 wurde fast exklusiv für Deutschland gebaut. Nur eine einzige Maschine dieses Typs flog mit italienischen Militarkennzeichen - sie stand dem italienischen Luftwaffen-Attache in Bonn zur Verfügung. Die Swissair betrieb einige leicht modifizierte P149CH, teils aus italienischer, teils aus deutscher Produktion, für Foto- und Vermessungsflüge. Neun P149D wurden von der Lufthansa-Fliegerschule in Bremen übernommen. Als die Luftwaffe die fliegerische Ausbildung schwerpunkmaßig nach USA verlagerte und nur noch einige Dutzend Maschinen in Deutschland für die Auswahlschulung brauchte, wurden viele P149D des deutschen Bestandes ins Ausland geliefert, vor allem in afrikanische Länder. Aber einige blieben auch im Lande - Privatflieger und Clubs mit Sinn für Exklusivität kauften die vom Bund preisgünstig angebotenen Maschinen. Eine Ex-Luftwaffe P149D wurde als Filmstar engagiert und simulierte im Film “Battle of Britain” ein englisches Jagdflugzeug. Weitere Einzelexemplare gingen nach Österreich, und nur eine einzige P149D fand den Weg zurück nach Italien.
Ein Vierteljahrhundert ist vergangen, seit die elegante Italienerin in deutsche Dienste trat, und schon seit Jahren wird in der Luftwaffe von einem “Piaggio-Nachfolger” geredet. Ein aufwendiges Vergleichsfliegen zwischen den Bewerbern Beech T-34C Turbo-Mentor, Pilatus PC-7 und RFB Fantrainer ging aus wie das Hornberger Schießen: Zwar wurde der Fantrainer zum Sieger nach Punkten erklart, aber Bonn wollte sich nicht zum Kauf entscheiden. Die Klasse der relativ großen Turboprop-Trainer schien der Luftwaffe denn doch etwas aufwendig, sie leisteten mehr, als man eigentlich wollte. Man rechnete scharf und hielt der Piaggio die Treue - mit lebensverlängernder, sorgsamer Pflege soll sie noch bis Mitte der achtziger Jahre beim Bund bleiben. Mit dreißig Dienstjahren wird die Piaggio dann wohl eines der dauerhaftesten Flugzeuge sein, das die Luftwaffe je besessen hat. Warum eigentlich nicht wieder eine Italienerin für die nächsten 30 Jahre?

 

 

 

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Flugzeuge der Bundeswehr

PIAGGIO P.149D

Wache, S., F-40 Piaggio 149 D, 1994
Synopsis der Seite 1, unveränderte Textstellen sind kursiv dargestellt

Das viersitzige, voll kunstflugtaugliche Reiseflugzeug P.149D ist eine Entwicklung des traditionsreichen italienischen Flugzeugherstellers Piaggio mit Firmensitz in Genua. Es basiert auf dem 1950 entwickelten zweisitzigen Schulflugzeug P.148, das am 12. Februar 1951 zum Erstflug abhob und von dem die italienische Luftwaffe 100 Exemplare für die Anfängerschulung orderte. Die P.148 war ein Tiefdecker in Metallbauweise mit freitragenden Flügeln.
Als Reiseflugzeug entwickelt, erhielt die P.149 eine größere Kabine mit vier Sitzen und ein Bugradeinziehfahrwerk. Das Triebwerk war mit dem GO-480 deutlich stärker ausgelegt als der GO-435 der P.148. Der Erstflug der P.149 erfolgte am 19. Juni 1953. Die Bundeswehr stieß bei der Suche nach einem Schulflugzeug auf diesen Typ, der sich gegen die Konkurrenz von Beechcraft T-34 Mentor und Saab 91 Safir durchsetzen konnte. Eine wichtige Rolle dürfte dabei das Platzangebot der P.149 gespielt haben, denn sie sollte in der Zweitrolle als Verbindungsflugzeug bei den Einsatzverbänden von Luftwaffe und Marine eingesetzt werden.
Nach erfolgreichem Vertragsabschluss lieferte Piaggio das erste von 72 Flugzeugen aus der italienischen Produktion im Mai 1957 an die Luftwaffe aus, weitere 190 Exemplare wurden in Lizenz bei Focke-Wulf in Bremen gebaut.

 

 

 

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Typenbezeichnungen

P.149 steht für die von Piaggio entwickelte Version, die in Italien gefertigt wurde.

P.149D steht für die von Piaggio entwickelte, in Italien gefertigte Variante, die für die deutsche Luftwaffe hergestellt wurde. Ausgeliefert wurden 72 Flugzeuge.

FW P.149D steht für die in Lizenz bei Focke-Wulf in Bremen gebaute Version für die deutsche Luftwaffe.

P.149E und P.149U sind für die Schweiz und für Uganda ausgelieferte Versionen.